Patrick Brandt   Two-Picture-Exhibition
Time of great change



Vor etwa 2000 Jahren muss in einer Sandsteinhöhle im amerikanischen
Bundestaat Utah eine Gesteinsplatte von der Wand gerutscht sein.
Irgendwann innerhalb der folgenden Jahrhunderte haben Künstler dann die
freigewordene Oberfläche bemalt.
Die surrealen lebensgroßen Abbildungen von Menschen seien in einer Zeit
„des großen Wandels“ entstanden, vermutet der Archäologe Steven Simms
aus Utah: Damals wanderten Getreidebauern in großer Zahl aus Süden in die
Region ein und verdrängten die alten Kulturen der Jäger und Sammler.
Welche Bedeutung die seltsamen Figuren für die Jäger und Sammler hatten,
darüber könne man bisher nur spekulieren, sagt Simms. Vielleicht seien die
Zeichnungen Ausdruck einer alten Tradition gewesen, an der die Bedrohten
sich in diesen Umbruchzeiten festhielten, „um daraus Kraft zu ziehen“.
2000 Jahre später gestaltet der Essener Künstler Patrick Brandt das
Bild „Gruppe 10“ aus seiner Werkreihe Aktivografien. Hierbei werden
digitale Bildpunkte auf Röntgenbildkonstruktionen aufgetragen.
Das Bild „Gruppe 10“ entsteht ebenfalls in einer Zeit des Wandels hin
zu einer immer synthetisch und technisch werdenden Welt.
Ohne in Kenntnis über die Existenz der Felsmalerei aus Utah zu sein,
kommt es bei seiner Arbeit zu einer frappierenden Ähnlichkeit mit den
Zeichnungen aus der Höhle.
Diese Überraschung führte bei Patrick Brandt zu der Idee, einen
Darstellungsvergleich zu starten, hier zu sehen in der
„Two-Picture-Exhibition“ unter dem Titel „Time of great change“.
Peter Brdenk
Stellvertretender Vorsitzender Forum Kunst und Arcihtektur, Essen
Quelle: National Geographic April 2015